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„1935“ oder: Das Jahr des August Lenz

„1935“ oder: Das Jahr des August Lenz

Das Jahr 1935 bescherte dem BVB mehrere Ereignisse, an die wir heute – also 80 Jahre später – immer noch gern einmal erinnern: Hans Tilkowski und Alfred „Aki“ Schmidt, zwei spätere BVB-Meisterspieler und Legenden, erblickten das Licht der Welt und für August Lenz nimmt das Jahr 1935 einen besonderen Rang in seiner sportlichen Vita ein.

Der „blonde August“ wurde 1910 im Dortmunder Norden im unmittelbaren Dunstkreis des Borsigplatzes geboren. Seine ersten Sporen als Fußballspieler verdiente er sich, man höre und staune, im Tor der BVB-Schülermannschaft.

Als dann einige Zeit später einmal der etatmäßige Mittelstürmer seines Teams fehlte, wurde Lenz „aushilfsweise“ in die Sturmmitte beordert. Und das mit fulminatem Erfolg! Je nach zitierter Quelle hat er in diesem Match entweder neun oder sogar zwölf Tore erzielt. Damit war der Zerberus August Lenz ad acta gelegt und der Goalgetter geboren. Unabhängig davon blieb das Torwartspiel zeitlebens seine stille Leidenschaft.

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Lenz war nicht besonders groß. So etwa 1,70 Meter. Seine Art zu spielen ähnelte der von „Uns Uwe“ Seeler in späteren Jahren. Schnell, beidfüßig schießend, ein gutes Kopfballspiel, ausgesprochen dynamisch – August Lenz war die ideale Sturmspitze für das damals bevorzugt praktizierte „WM-System“.

Seine Torerfolge beim BVB machten schnell die Runde und landeten schließlich auch bei Prof. Dr. Otto   Nerz, dem Reichstrainer der frühen 1930er Jahre und Vorgänger von Sepp Herberger in diesem Amt. Obwohl August Lenz „nur“ vom damaligen Zweitligisten Borussia Dortmund stammte, schaffte er den Sprung in die Nationalmannschaft. Sein erstes Länderspiel absolvierte er im Frühjahr 1935 im Heiselstadion zu Brüssel gegen Belgien. Deutschland gewann mit 6:2. Der August erzielte zwei blitzsaubere Tore und wurde als die Stürmerentdeckung des Jahres gefeiert. Dortmund bereitete seinem ersten Nationalspieler überhaupt einen triumphalen Empfang. Über 30.000 begeisterte Fußballfans säumten die Straßen vom damals sehr repräsentativen Hauptbahnhof bis zum Borsigplatz, um den neuen Stern am westfälischen Sporthimmel gebührend zu feiern.

Folie2Wenige Wochen später, genau gesagt am 8. Mai 1935, erlebte die „Rote Erde“ ihre internationale Feuertaufe mit dem Länderspiel Deutschland – Irland. Die DFB-Auswahl siegte souverän mit 3:1. Der Halbrechte August Lenz erzielte zwar keinen Treffer, agierte aber gekonnt, effektiv und stets gefährlich im Zusammenspiel mit den großen Technikern Goldbrunner und Siffling. Da waren die über 37.000 Besucher mehr als einmal aus dem gern zitierten Häuschen.

Und nicht zu vergessen: Im August 1935 begann die neue Fußball-Saison, die für den BVB den unvergessenen Aufstieg in die Gauliga Westfalen brachte. Daran hatte der rasante Mittelstürmer vom Borsigplatz natürlich seinen besonderen Anteil.

Die Karriere des August Lenz hatte auch in den folgenden Jahren weitere herausragende Momente. Insgesamt kam er auf 14 internationale Einsätze im Dress mit dem Reichsadler. 1936 avancierte er in Berlin zum ersten Olympioniken des Dortmunder Fußballs. Leider gehörte er damit aber auch zu den Akteuren, die das „Schandspiel“ gegen Norwegen – so ein gewisser Adolf Hitler nach der Partie – unerwartet verloren. „Schandspiel“ deshalb, weil nach HitlersVorstellungen Deutschland Fußball-Olympiasieger werden sollte. Dummerweise hatte er vergessen, das den Norwegern mitzuteilen. Eine Niederlage gegen das zweitklassige Norwegen war aus Hitlers Sicht völlig indiskutabel.

Unter Herberger sank der Stern des Nationalspielers August Lenz ein wenig. Vielleicht deshalb, weil er als fußballerischer Ziehsohn von Prof. Nerz galt….

1947 gehörte Lenz zu der legendären BVB-Elf, die am Schloss Strünkede zu Herne den westfälischen Abonnementmeister FC Schalke 04 bezwang und damit erstmalig Westfalenmeister wurde. Die großartige Laufbahn des August Lenz endete erst 1949. Zwei Mal in Folge wurden die Borussen mit ihm als Mannschaftskapitän Westdeutscher Fußballmeister. In der Endspielelf um die „Deutsche“ 1949 gegen den VfR Mannheim stand der fast 39-Jährige dann aber schon nicht mehr.

Im BVB-Vorstand als Spieler-Obmann und anschließend im Ältestenrat blieb Borussia Dortmunds erster Nationalspieler viele weitere Jahre für seine Schwarz-Gelben aktiv.

 

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