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Vor 75 Jahren: Erstes BVB-Meisterschaftsspiel nach 2. Weltkrieg in Dortmund

Vor 75 Jahren: Erstes BVB-Meisterschaftsspiel nach 2. Weltkrieg in Dortmund

Wer sich am Sonntag, dem 22. Februar 1946 – also vor genau 75 Jahren – in Dortmund umsah, war nach wie vor erschüttert über die schrecklichen Verwüstungen, die der 2. Weltkrieg hinterlassen hatte:

Die City zu über 90% zerstört, überall in der Stadt riesige Mengen Schutt, die abgetragen werden mussten, um sich überhaupt ein wenig fortbewegen zu können. Zigtausende Wohnhäuser waren dem Erdboden gleich gemacht oder unbewohnbar. Es war einfach schrecklich.

Aber genau an diesem Tag zog wieder ein kleines Stück sehnsüchtig erwarteter Normalität in Dortmund ein: Der BVB hatte eingeladen zu seinem ersten Meisterschaftsspiel der Nachkriegszeit im Hoeschpark gegen den Nachbarn Allemannia 97.

Die Parkanlage war weniger durch Brandbomben der Alliierten zerstört worden als die Rote Erde im Süden und bespielbar. Die Briten hatten dem westfälischen Fußballverband nach längerem Zögern ihre Zustimmung zur Spielzeit 1946 gegeben.

In der Woche zuvor ging der offizielle Saisonstart in Erkenschwick über die Bühne, wo der BVB gegen die dortige Spielvereinigung mit 2:5 verlor.

Gegen die Alemannen hingegen, die die Borussen 1910 in ihrem ersten Aufeinandertreffen überhaupt mit 6:0 besiegten, gab es diesmal vor gut 15.000 Besuchern ein sicheres 3:1.

Die BVB-Aufstellung verdeutlicht, dass viele wichtige Akteure und große Talente wie Eron, Büttner, Dunnay und Stachora nicht aus dem Krieg zurückgekehrt waren. So gesellten sich zu den schon „Arrivierten“ wie Max Michallek, Pat Koschmieder, Erwin Halfen und Heinrich Ruhmhofer Namen wie Flötemeier, Peczinski und Vogedes, von denen man später wenig bis gar nichts mehr gehört hat.

August Lenz, schmerzlich vermisst, weilte noch in britischer Gefangenschaft, Ady Preißler und Erich Schanko kamen erst zu Beginn der folgenden Saison zum BVB.

Im Tor der Gastgeber stand an diesem historischen 24. Februar 1946 mit Willy „Justus“ Pankau allerdings eine der interessantesten Persönlichkeiten, die der BVB in seiner bisherigen Geschichte überhaupt hervorgebracht hat. Hier seine für das damalige Dortmund fast typische Vita:

Am 27. 12. 1923 in Westpreußen geboren, kam seine Familie 1925 zum Borsigplatz. Während der Ausbildung bei Hoesch spielte er in der dortigen Werkself im Tor. Nach der Soldatenzeit kehrte er nach Dortmund zurück und ging zum BVB.

Trotz seiner geringen Körpergröße – 1,71 m – schaffte es der wendige und reaktionsschnelle junge Keeper bis in die erste Mannschaft, in der er die Meisterrunde 1946 bestritt. Danach wechselte Willi Kronsbein von Arminia Marten zum Borsigplatz und wurde für längere Zeit die Nr. 1 der Schwarz-Gelben.

Willi Pankau wechselte beruflich ins Filmfach und avancierte zu einem international hoch dekorierten Kameramann. 16 „Tatorte“ fing er gekonnt mit der Kamera ein. 1964, für die Dokumentation „Die Borussen kommen,“ erhielt er den begehrten Grimme-Preis.

Für seine Kameraführung in dem Spielfilm „Christiane F. – Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ war der Deutsche Filmpreis in Gold 1970 der verdiente Lohn, und für seinen letzten Kinofilm „ Das Verlangen“ gab es 2002 sogar den Goldenen Leoparden des Filmfestivals von Locarno. Daneben lehrte „Justus“ Pankau an mehreren renommierten deutschen Filmhochschulen.

Und: Er blieb stets ein überzeugter Borusse. Der 2017 in Ludwigsburg im gesegneten Alter von 94 Jahren verstorbene bedeutende Filmschaffende trug an jedem Tag ein gelbes Kleidungsstück in Erinnerung an seine schöne Zeit beim BVB, sei es ein Hemd, ein Halstuch oder etwas anderes.

Die Saison 1946 schlossen die Borussen übrigens auf dem vierten Tabellenplatz hinter der SpVgg. Erkenschwick, dem VfL Altenbögge und Preußen Münster ab. Wie sich die Zeiten doch geändert haben….