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1945: Briten und Kauermann planen nördlichen Großverein

1945: Briten und Kauermann planen nördlichen Großverein

Dortmund lag 1945 in Trümmern; die Innenstadt war zu 93% zerstört. Der BVB – wie alle anderen Vereine auch – hatte aufgehört zu existieren. Die Alliierten hatten den Sport, der von den Nazis als Kriegsvorbereitung missbraucht worden war, zunächst kategorisch unterbunden, dann aber nach kurzer Zeit diese Anweisung etwas gelockert.

Erst nach und nach kehrten die Spieler aus der  Kriegsgefangenschaft in die Heimat zurück. Nicht Jedem jedoch war diese Rückkehr vergönnt. Viele große Talente des BVB bezahlten Hitlers Wahnsinn mit dem Leben.

Schon wenige Wochen nach der bedingungslosen Kapitulation am 8. 5. 1945 trafen August Busse, Franz Jacobi, Heinrich Unger,  Heinrich Karsten, Egon Pentrup, Fritz Weller und einige andere Getreue in der Gaststätte von Willi Schneider am Borsigplatz zur ersten BVB-Vereinssitzung nach dem 2. Weltkrieg zusammen.

Die Bestandsaufnahme war trostlos. Alle Unterlagen des BVB waren vernichtet, eine Brandbombe hatte die Geschäftstelle in der Oesterholzstraße 60 völlig zerstört. Dort war der BVB am 19. 12. 1909 einmal gegründet worden. Hinzu kam: Jede Benutzung eines Sportplatzes war von der Genehmigung der britischen Militärregierung abhängig. Deshalb fand das erste provisorische „Training“ der Rumpfmannschaft auch auf des Kegelbahn der Gaststätte „Haus Herzog“ am Borsigplatz statt.

Kurze Zeit später fand in der „kriegsversehrten“ BVB-Geschäftsstelle eine richtungweisende Besprechung statt: In Anwesenheit  des einflussreichen späteren Sportdezernenten Fritz Kauermann sprach man über die Wiedergeburt des Sports in unserer Stadt. Kauermann vom früheren Arbeiter-, Turn- und Sportverband hatte das Sagen in dieser Runde. Mit dem Arbeitersportkartell hatte er am 13. Juni 1926 schon als Staffelläufer an der Eröffnung der Kampfbahn „Rote Erde“ teilgenommen und unter dem Verbot des Arbeitersports durch die Nazis auch persönlich sehr gelitten.

Kauermann hatte schon gegen Ende April 1945 Kontakte zu den Alliierten aufgenommen, um den Sport in Dortmund „demokratisch“ neu zu strukturieren. Unmittelbar nach der Kapitulation wurde er Stadtsportbeauftragter der britischen Militärregierung und des Regierungspräsidenten in Arnsberg. Später gründete er den Kreissportverband Dortmund – heute Stadtsportbund – und war dessen längjähriger Vorsitzender. Für den Wiederaufbau des gesamten hiesigen Sports nach 1945 wurde er über mehr als zwei Jahrzehnte die herausragende Persönlichkeit.

Kauermann verdeutlichte in der Besprechung mit den Borussen die Auflage der Briten, nur  politisch einwandfreie Vereinsfunktionäre zu akzeptieren und örtliche  Großvereinen zu bilden. Gemeinsame Vorstellung sei es, so Kauermann weiter, auch den BVB aufzulösen und per Fusion in den Arbeitersport zu integrieren.

Selbst den künftigen Namen hatte er schon parat: „Freie Sportgemeinschaft Borussia von 1898” sollte er lauten. Unter diesem Namen wurde der BVB dann auch für einige wenige Wochen bei der Militärregierung geführt. Die „Sportgemeinschaft Borussia” entsprang einer  Fusion mit dem „Freien Sportverein 1898” und der Werksportgemeinschaft der Hoesch AG. Aus letzterer stammten übrigens so erfolgreiche BVB-Akteure wie Heinrich Ruhmhofer und Fritz Ibel, die mit den Borussen 1949 Deutscher Vizemeister wurden.

Max Michallek

Max Michallek

Aber die Borussen löckten einmal mehr in ihrer Vereinsgeschichte wider den Stachel – schon am 15. Juli 1945 galt wieder der „alte”, traditionsreiche Name. Das war auch gut so, denn die BVB-Akteure sahen sich ihrer Identität beraubt. Der große Max Michallek, Borussias liebstes und talentiertestes Eigengewächs, liebäugelte sogar mit einem Wechsel nach Holzwickede.

Die Vereinsvertreter führten den Alliierten gegenüber erfolgreich ihre drei Widerstandskämpfer gegen Hitler argumentativ ins Feld, von denen zwei  (Heinrich Czerkus und Franz Hippler) von den Nazis ermordet worden waren,  Hinzu kam, dass sich der frühere Präsident Egon Pentrup 1933/34 den damaligen Machthabern nicht gebeugt hatte.

Er war nicht, wie gefordert, in die NSDAP eingetreten, sondern hatte stattdessen sein Amt als Präsident zur Verfügung gestellt. Als „graue Eminenz“ im Hintergrund bestimmte er aber weiterhin bis 1945 die Vereinsgeschicke mit. Diese Argumente waren hieb- und stichfest und überzeugten!

In der Jubiläumspublikation zum 60. Bestehen beschreibt der BVB die damalige Situation wie folgt:

„Der Name BVB Borussia 09 war uns aberkannt worden. Man wollte uns mit anderen Sportvereinen verschmelzen. Aber Dank unserer Initiativen wurden wir später unter Beibehaltung früherer Rechte doch wieder der alte BVB. Das war die Wiedergeburt unseres Vereins. Am 15. Juli 1945 bestätigte die Militärregierung des kommissarischen Vorstand mit Willi Bietzek als Vorsitzenden und Schriftführer sowie Franz Jacobi als Stellvertreter.“

Das erste Freundschaftsspiel nach dem 2. Weltkrieg machte der BVB im Hoeschpark – das Stadion Rote Erde war im März 1945 weitgehend durch Bombenangriffe zerstört worden  und die Nutzung oblag ausschließlich den Briten – gegen Unna 07/08. Die Partie endete vor 20.000 Besuchern 4:4.

Die „Rote Erde“ stand erst einige Zeit später wieder zur Verfügung und1947 konnte das erste Spiel der neugegründeten Oberliga West gegen die Sportfreunde Katernberg (3:0)  hier stattfinden konnte. Die zerbombte Tribüne der Kampfbahn wurde nach ihrem Wiederaufbau das Stadion-Prunkstück der Studenten-Weltspiele 1953. Acht Jahre lang hatte die traditionsreiche Arena unter den Kriegsfolgen gelitten…