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17. Juni 1995: BVB macht vierte Deutsche Meisterschaft perfekt

17. Juni 1995: BVB macht vierte Deutsche Meisterschaft perfekt

Mehr als drei Jahrzehnte – genau 32 Jahre – musste der BVB warten, um wieder eine Deutsche Fußball-Meisterschaft feiern zu dürfen. Am 17. Juni 1995 war es endlich soweit: Im Westfalenstadion und im „Stadion Friedensplatz“ ging im wahrsten Sinne des Wortes die Post ab.

42.600 Fußballfans (das Stadion war durch den Umbau der Nordtribühne um 11.000 Plätze verkleinert worden) erlebten das letzte und damit entscheidende Spiel der Borussen gegen den HSV in der mittlerweile weltbekannten Arena mit, 50.000 weitere die Live-Übertragung auf der riesigen Video-Wall des Friedensplatzes, nach diesem Ereignis nur noch „Stadion Friedensplatz“ genannt.

Hier kurz die Ausgangssituation: Der BVB unter Trainer Ottmar Hitzfeld hatte mit 46 Punkten (nach heutiger Drei-Punkte-Regel 63 Zähler) aus 33 Meisterschaftsspielen eine sehr gute Saison  gespielt und lag hinter Werder Bremen (48 Punkte) auf Platz 2 der Bundesligatabelle. Die Borussen mussten also im letzten Match gegen den HSV gewinnen, gleichzeitig durfte Bremen in München nicht über ein Unentschieden hinauskommen. Dann würde das bessere Torverhältnis für die Schwarz-Gelben den Ausschlag geben.

Weil die Karten-Nachfrage in der gesamten Region geradezu unvorstellbare Ausmaße annahm, wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt entschieden, Borussias Saisonfinale auf dem Friedensplatz zu übertragen und hier auch für den Fall der Fälle am folgenden Sonntag mit der Ankunft der Mannschaft den Höhepunkt der erhofften Meisterfeier zu „zelebrieren!“

Die Entscheidung für den Friedensplatz erwies sich als großer Wurf. Bereits am Vormittag des Spieltages versammelten sich etwa 10.000 Fans an und auf der Bühne vor dem Rathaus, um höchst emotional, ja tränenreich Flemming Povlsen zu verabschieden. Sympathieträger Flemming war Monate zuvor im Pokalspiel gegen Kaiserslautern so schwer verletzt worden, dass er seine Fußballer-Karriere jetzt leider beenden musste.

Nachmittags folgte dann das große Match, das in der ganzen Stadt in einen Begeisterungstaumel ohnegleichen einmündete. Ein Handicap für den Gastgeber: Trainer Ottmar Hitzfeld musste auf seine torgefährlichen Stürmer Kalle Riedle und Stephan Chapuisat verzichten.

Bereits nach neun Minuten gab es einen Freistoß für den BVB. Spezialist Andreas Möller legte sich die Kugel zurecht und schnippelte sie von sich aus gesehen mit soviel Effet rechts an der HSV-Mauer vorbei, dass Torhüter Richard Golz im Gehäuse des Gastes über diesen zirkusreifen Kunstschuss nur staunen konnte. 1:0 für Borussia! Der Friedensplatz bebte!!

Wenige Minuten später die Info aus München: „Bayern führt gegen Bremen!“ Das lief ja wie geschmiert!

Den Borussen merkte man trotz der eigentlich beruhigenden Führung die große Bedeutung des Matches an. Die Hitzfeld-Truppe wirkte über die 90 Minuten hinweg recht verkrampft, und ein wirklich großes Spiel entwickelte sich nicht. Das war den Fans in den beiden „Stadien“ aber schnurz. Hauptsache der BVB führte und die Bremer kamen in München nicht auf „unkeusche“ Ideen.

Knapp eine halbe Stunde war gespielt, da segelte eine von Stefan Reuter präzise geschlagene Ecke in den Strafraum der Hamburger, Youngster Lars Ricken stand goldrichtig und verwandelte per Kopf zum 2:0. Die Freude nahm orkanartige Formen an.

Bei diesem Ergebnis blieb es bis zum Schlusspfiff. Der HSV war zwar in der zweiten Halbzeit  recht gefährlich, konnte aber aus der einen oder anderen Chance nichts Zählbares machen.

Und da Bremen in München letztlich mit 1:3 verlor, stand es fest:

Borussia Dortmund war Deutscher Meister 1995. Zum vierten Mal in ihrer Vereinsgeschichte hatten die Schwarz-Gelben die „Schale“ in den Pott geholt.

Am folgenden Sonntag war ganz Dortmund regelrecht in schwarz-gelb gehüllt. Die Stadt befand sich  im Ausnahmezustand. Der Autokorso vom Borsigplatz bis zur Innenstadt faszinierte fast eine halbe Million Menschen. Eine derartige Supershow hatte Dortmund noch nie in seiner über 1.100-jährigen Stadthistorie erlebt.

Mit dem wehmütigen Trude-Herr-Song „Niemals geht man so ganz“ wurde Flemming Povlsen nun auch offiziell vom BVB verabschiedet.  Als die Spieler – Julio Cesar hatte sich die Haare dem Anlass gemäß gelb färben lassen – mit  Meistertrainer Ottmar Hitzfeld auf dem Friedensplatz die „Schale“ präsentierten, war regelrecht die Hölle los. Das waren wirklich unvergessliche Augenblicke!

Sie spielten gegen den HSV und machten die Meisterschaft perfekt:

Stefan Klos, Bodo Schmidt, Julio Cesar, Matthias Sammer, Stefan Reuter, Michael Zorc, Andreas Möller, Steffen Freund, Rene Tretschok, Lars Ricken (79. Martin Kree), Ibrahim Tanko (62. Knut Reinhard).